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27.09.08
Weiterverkauf nur teilweise wettbewerbswidrig
"Schwarzhandel" mit Bundesligakarten
BGH, Urt. v. 11.9.2008, Az.: I ZR 74/06 – bundesligakarten.de

Von: Anmerkung von RA Christian de Nocker


Der u.a. für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte gestern darüber zu entscheiden, ob der Hamburger Sportverein (HSV) verhindern kann, dass von ihm nicht autorisierte Händler Eintrittskarten für Heimspiele des HSV anbieten.

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der HSV den gewerblichen Handel mit Eintrittskarten nur dann untersagen kann, wenn die Karten unmittelbar im Rahmen der Vertriebsorganisation des Vereins zum Zwecke des Weiterverkaufs bezogen werden. Verschafft sich der Händler die Karten hingegen von Privatpersonen, so ist der Weiterberkauf dieser Karten nicht wettbewerbswidrig. Beim Direktbezug vom Verein gelten dessen AGB. Da diese den gewerblichen Weiterkauf in zulässiger Weise untersagen, liegt ein wettbewerbswidriger Schleichbezug vor, wenn ein Händler die Karten dennoch zum Zwecke des Weiterverkaufs bezieht. Werden die Karten hingegen über Suchanzeigen in Sportzeitschriften Karten von Privatpersonen erworben, finden die AGB keine Anwendung. Auch die Tatsache, dass durch das Kaufangebot die redlichen Privatkäufer zum Vertragsbruch verleitet werden, führt nicht zur Wettbewerbswidrigkeit. Anmerkung: Die Entscheidung hat grundsätzliche Bedeutung, weil die meisten Profivereine ähnliche Ticketbedingungen verwenden und in den letzten Jahren konsequent gegen Schwarzhändler vorgehen. Dabei werden nicht nur gewerbliche Händler abgemahnt, sondern auch Privatverkäufer, die Karten z.B. bei eBay anbieten. Die Vereine stützen sich dabei auf ihre Allgemeinen Ticketbedingungen, die den Weiterverkauf grundsätzlich untersagen und die Weitergabe nur unter strengen Voraussetzungen erlauben. Ob diese weitgehenden Veräußerungsverote zulässig sind, ist umstritten. Es spricht jedoch einiges dafür, dass die entsprechenden Klauseln zumindest teilweise unwirksam sind. Vor allem die zumeist enthaltenen Vertragsstrafeklauseln dürften insgesamt unzulässig sein. In welchem Umfang Veräußerungsverbote wirksam sind, hat der BGH leider nicht entschieden. Er hat lediglich festgestellt, dass das Verbot des gewerblichen Weiterverkaufs ind AGB des HSV nicht zu beanstanden ist. Insoweit bleibt die Situation insbesondere im Hinblick auf private Online-Angebote auch in Zukunft unklar. Wer wegen solcher Angebote von einem Verein abgemahnt wird, sollte sich deshalb von einem fachkundigen Anwalt beraten lassen.


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